Als Angesteller zum 100.000 € Depot mit 39 Jahren
Am 7. November 2024 hat mein Depot die magischen 100.000 € erreicht – bei knapp 79.000 € investiertem Kapital. Und das, obwohl ich ganz normal Angestellter im öffentlichen Dienst bin – kein Erbe, kein Lottogewinn. Wie ich das geschafft habe? Durch viele kleine, mal bewusste und mal unbewusste, Entscheidungen über einen Zeitraum von 20 Jahren – und in dieser Zeit gab es auch ein paar große Aha-Momente.
Ich bin Tommy der Talerkater und verrate Dir, welche Entscheidungen auf meinem vom Azubi bis heute mir geholfen haben, mit 39 Jahren die 100.000 € im Depot zu knacken.

Mein Start
Schon in der Realschule war klar: Ich will in die IT. Ich habe in der Schulzeit Zeitungen ausgetragen und dies auch im ersten Jahr meiner Ausbildung noch weitergemacht.
Nach meiner IT-Ausbildung bei der Stadt wollte ich einfach nur raus – eigene Wohnung, eigenes Leben. Dieses Ziel habe ich auch erreicht, da ich dort nach der Ausbildung übernommen worden bin.
Geld war vor allem anfangs sehr, sehr knapp. Ich habe oftmals mein Pfand weggebracht, um mein Auto am Monatsende nochmal zu tanken und damit von meiner Wohnung zur Arbeit kommen zu können.
Dispo? Nie gehabt. Schulden? Hatte ich immer Angst vor und habe ich für mich immer kategorisch abgelehnt.
Geld war kein Freund
Zuhause war Geld immer ein Reizthema. Immer Mangel, immer irgendwie mit Streit und mit Sorgen verbunden.
Ich hab’s verdrängt – alles rund um Geld und Finanzen habe ich ganz weit hinten hinter Schloss und Riegel in meinem Kopf versperrt. Gleichzeitig war ich nie der Typ für teuren Konsum – kein Markenwahn, keine Luxusreisen letztlich sicherlich eben auch deshalb, weil meine Lebensrealität weit weg davon war. Im Alleinerzieherhaushalt war an so etwas nicht zu denken.
Mein einziges „teures“ Hobby war Gaming – und selbst da hab ich’s immer clever gemacht und behalte es bis heute bei: gebraucht kaufen, weiterverkaufen, Sales abwarten und frühzeitig anfangen für die nächste Konsole zu sparen oder für das nächste PC-Upgrade. Immer versucht den Sweetspot abzupassen, zu dem ich mit dem Verkauf meiner alten Geräte noch einen nennenswerten Erlös bekomme.
Sparen ist nicht Investieren
Ich habe immer mal was zurückgelegt – Steuererstattung, Rücklagen für Auto und Versicherung und Kfz-Steuer– aber investieren? Fehlanzeige.
Alles lag brav auf dem Sparbuch. Dabei wurde es Schritt für Schritt alles etwas besser und sicherer, was meine finanzielle Situation anging. Ich habe Tariferhöhungen, Gehaltserhöhungen und Steuererstattungen gespart. Hier auch schon automatisiert mit entsprechenden Daueraufträgen nach der Ausbildung und im Rahmen meines Umzugs. Mein Vater hat mir gezeigt, wie ich meine Steuererklärung mache und ich habe verstanden, dass es Sinn macht diese eben auch jedes Jahr zu machen, weil ich immer Geld zurückbekommen habe. Auch meine Einnahmen aus meinem Nebenjob als VHS-Dozent und später als Autor für Tipps, Tricks und Lösungen zu Videospielen auf Honorarbasis für eine deutsche Gamingwebseite habe ich gespart.
Die falschen Produkte
Nach der Ausbildung kam die Bankberatung.
Altersvorsorgeprodukte, Bausparer und eine Kapitallebensversicherung – alles war irgendwann dabei und wurde monatlich bespart. Dieses Geld war damit für mich „weg“, ich kam nicht mehr dran, denn es war ja in Produkten gebunden.
Ich dachte: „Super, jetzt bin ich versorgt und für die Zukunft gut aufgestellt.“
Heute weiß ich: Das war mein größter Finanzfehler.
Aber immerhin: Ich habe gelernt, mich zumindest mal kurz mit Geld zu beschäftigen – und das war der Anfang im Jahr 2004.
Der Gamechanger: Haushaltsbuch
2015 kam dann der Wendepunkt:
Eine Freundin – gleiches Gehalt wie ich – hatte am Monatsende einfach mehr Geld übrig und hat irgendwie generell größere Sprünge gemacht, ohne das sie finanzielle von ihrer Familie unterstützt wurde. Sie hatte das bessere Auto, viele tolle Urlaube.
Warum? Sie führte ein Haushaltsbuch und hat sich um ihre Finanzen gekümmert. Sie hat sich mit ihren Ausgaben beschäftigt, diese optimiert, reduziert und für diverse Themen Budgets gebildet.
Das wollte ich auch.
Ich war schockiert, wie viel Geld ich für Fast Food, unnötige Abos und teure Anbieter für Internet, Strom und Gas und Versicherungen rausballerte.
Also: Anbieter gewechselt, Ausgaben reduziert – und plötzlich blieb Geld übrig. Ab hier habe ich bewusster konsumiert. Das Brötchen auf dem Weg zur Arbeit noch schnell beim Bäcker kaufen? Gestrichen! Aber Aufbackbrötchen daheim selbst belegen und mit zur Arbeit nehmen hat mir von nun an eine Menge Geld gespart.
Die Fondsphase
Kurz danach, immer in 2015, bot mir die Sparkasse eine kostenlose Finanzberatung an.
Ergebnis: Einkommen und Altersvorsorge grün, Vermögensaufbau rot.
Lösung laut Berater: Fonds.
Also startete ich meinen ersten Sparplan – und fühlte mich wie ein richtiger Investor. Drei aktive Fonds habe ich monatlich bespart.
Aktien, Corona & Aha-Effekt
2019 hab ich mein erstes Online-Depot eröffnet und Aktien der Firma TeamViewer gekauft. Deren Produkt, eben die Software Teamviewer, kannte ich meinem Job.
Hier habe ich dann auch meinen ersten Aktiengewinn in Höhe von 180 € gemacht.
Dann kam Corona – und plötzlich lief jede Aktie gut.
Ich hatte Blut geleckt, diverse Einzelaktien gekauft und war in kürzester Zeit einige tausend Euro im Plus. Ich erinnere mich noch an ein Essen mit der Familie meiner Freundin, wo wir auf das Thema Aktien zu sprechen kamen und ich stolz mein Depot gezeigt habe, was zu diesem Zeitpunkt 8000 € im Plus war.
Karriere & Spardisziplin
Im Job lief’s auch rund: Beförderungen, Weiterbildungen, mehr Gehalt.
Aber – und das war entscheidend – ich hab meinen Lebensstil nicht angepasst.
Kein neues Auto, keine teurere Wohnung, kein Luxusurlaub.
Das gesparte Geld floss in mein Depot.
ETFs & Umschichtung
2021 kam ich über YouTube auf das Thema ETFs.
Das war mein Gamechanger. Ich hab alte Produkte wie Lebensversicherung, Riester und Bausparer aufgelöst und alles in ETFs gesteckt und umgeschichtet.Auch Steuerrückzahlungen, Nebeneinkünfte als VHS-Dozent und sogar Verkäufe durchgespielter Games – alles ging ins Depot.
Der Meilenstein
Und dann, am 7. November 2024: 100.038 € Depotwert. Mein Ziel für Ende 2026 – zwei Jahre früher erreicht. Das Gefühl? Unbezahlbar.
Meine Lektionen
Was waren die größten Gamechanger auf dem Weg dahin?
Im Grunde zwei Dinge: meine Sparrate und das Management meiner eigenen Finanzen.
Auch wenn meine ersten Sparjahre in die falschen Produkte liefen – das Geld war da.
Und beim Umschichten war genau das mein Startvorteil.
Wenn du heute erst beginnst und direkt in ETFs oder Aktien sparst, bist du mir sogar voraus.
Der wichtigste Punkt: Übernimm Verantwortung für dein Geld.
Behandle deine Finanzen wie dein eigenes Unternehmen.
Jeder Euro ist ein Mitarbeiter, den du für dich arbeiten schickst – damit er neue Taler nach Hause bringt.
Ich habe Finanzen vom Sorgenthema zum Hobby gemacht:
Wissen aufbauen, Podcasts hören, Bücher lesen, YouTube schauen.
Ich habe gelernt, mein Geld zu managen, nicht nur zu verdienen.
Konkret heißt das:
- Sparrate rauf ist das oberste Ziel und die folgenden Punkte haben mir dabei geholfen
- Haushaltsbuch führen – und ehrlich hinschauen, wohin dein Geld fließt.
- Fixkosten planen: Kfz-Steuer, Versicherung, Inspektion – alles auf Extra-Konten.
- Spontankäufe vermeiden. Wünsche aufschreiben, ein paar Tage warten, vergleichen, gebraucht kaufen, Cashback nutzen.
- Essen planen statt bestellen – Mealprep spart richtig Geld.
- Keine Lifestyleinflation: Beförderung heißt höhere Sparrate, nicht teureres Leben.
- Steuererklärung jedes Jahr – Rückzahlungen gehen direkt ins Depot.
- Nebenjob? Super – aber nicht für Luxus, sondern fürs Investieren.
- Und ganz wichtig: Weiterbildung. Dein Humankapital ist dein größter Hebel für ein höheres Einkommen und damit für eine höhere Sparrate.
